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Firma Ehlmaier im Werkstättenhof produziert Jalousienkordeln · The Ehlmaier company in the Werkstättenhof produces blind cords

Firma Ehlmaier im Werkstättenhof produziert Jalousienkordeln · The Ehlmaier company in the Werkstättenhof produces blind cords

Firma Ehlmaier im Werkstättenhof produziert Jalousienkordeln. Wien | AT · 2013–2026 (Text © Standard © PP · www.ewigesarchiv.at)

Wie eine Wiener Familienfirma mit Jalousienkordeln zum Weltmarktführer wurde

Seit 1844 produziert die Familie Ehlmaier in Wien-Mariahilf textile Spezialwaren. Heute gehen ihre Raffstore-Kordeln vom Werkstatthof in die ganze Welt

Aus: Der Standard, 6. Juni 2026

"Normalerweise kommt man zu so was ja nicht, man kriegt’s halt!", erzählt Geschäftsführer Peter Ehlmaier, als er uns im Werkstättenhof in der Mollardgasse empfängt und mit dem Lift dorthin hinaufführt, wo sein Büro liegt. Während der Fahrt erzählt er ein bisschen von seiner Familie: "Mein Bruder Friedrich war der Älteste und musste das hier übernehmen, der hat gar keine Chance gehabt." Der Vater sei nämlich ein richtiger Patriarch gewesen, lacht er. "So ein Familienoberhaupt!" Aber zum Lachen wird es wohl nicht immer gewesen sein. "Der jüngere Bruder ist rechtzeitig ausgestiegen und macht jetzt in Immobilien. Ich selbst habe Theaterwissenschaften und Psychologie studiert." Und ein bisschen wie im Theater wäre es hier auch manchmal. Denn: "Stellen Sie sich nur vor, der Lift! Wie langsam der ist! Wie oft wir damit auf und ab fahren müssen, um unsere Produkte hinunterzukriegen. Und wie sich die LKWs quälen müssen, bis sie da in den Hof hereinkommen." Dieser wurde ja einst für Pferdekutschen entworfen, und der Lift musste nachträglich erst eingebaut werden. "Ich weiß nicht, wie viele Gitterboxen für ich weiß nicht wie viele LKWs wir da jeden Tag hinunterbringen!" Aber gut, nur jammern will er dann auch nicht. "Es ist schon sehr lässig hier!", sagt er, nicht zuletzt wegen der vielen schönen Erinnerungen, die er an sein Aufwachsen im Hof hat. Die Firma gibt es ja bereits seit 1844, ursprünglich produzierte man Gespinste. 1908 zog man als Gründungsmitglied in den neu errichteten Jubiläums-Werkstättenhof mit ein.

Schon als Kinder sind die Brüder durch die Hallen gerannt und haben "geholfen", wofür sie ein paar Schillinge bekommen haben. In der "Leonischen Spinnerei" beispielsweise, wie sie über einer Türe noch immer angeschrieben steht. Was sie da machten? "Man nahm Zementdraht und plättete ihn zu Lametta. Das haben wir mit Wolle für die Gold- und Silberfäden der Schokolade am Weihnachtsbaum oder Seide für den Klerus oder das Militär umsponnen. Die ganzen Wappen, Wimpeln und Fahnen waren ja mal ein Renner, machten aber irgendwann nur mehr zwei Prozent vom Umsatz aus." Also hat man die Spinnerei geschlossen. Ein Welterfolg mit Jalousinkordeln

Wohingegen sich "die Geschichte mit den Jalousienkordeln" zu einer Art Welterfolg entwickelte, zunächst nicht immer nur bergauf gegangen war: "In den 60er Jahren haben wir begonnen, uns für textile Komponenten im Sonnenschutz zu interessieren. Bis vor drei, vier Jahren deckten wir die gesamte Palette ab, auch die ganz kleinen Jalousien, die man innen aufhängt. Aber da brauchten wir alleine für die südlichen Länder 100 Farben!", sagt er. Darum machten sie auch damit Schluss, "weil die heute sowieso in China produziert werden". Und da könne man mit dem Preis eben nicht mithalten. 

Der "Gamechanger" für ihr Unternehmen war die Faser Aramid, die wegen ihrer Widerstandsfähigkeit auch zur Herstellung von kugelsicheren Westen, Kajaks oder ballistisch geschützten Fahrzeugen verwendet wird. Als die Brüder Ehlmaier begannen, sie in ihre Schlaufen- und Leiterkordeln für Außenjalousien, die oft viele Meter breit sind, zu verarbeiten, bekamen sie dafür den Innovationspreis der Stadt Wien und stiegen zu einem von weltweit nur zwei eigenständigen Produzenten solcher Kordeln auf. "Davor hatten wir bei den Raffstores eine hohe Dehnung durch Umwelteinflüsse, sodass sie schief gehangen oder überhaupt gerissen sind."

Seither produzieren sie durchgehend 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche, "weil sich das sonst nicht ausgeht". Bis die Kordeln nämlich auf Paletten verpackt mit dem Lift hinuntergebracht werden können, muss zunächst das zugekaufte Polyestergarn in einer eigenen Abteilung auf kleine Spulen umgespult werden. Die vollautomatischen, computergesteuerten Maschinen, "mit denen man auch Spitzenunterwäsche erzeugen könnte", werden in Italien gekauft und mit eigenem Know-How umgebaut. "Sie glauben nicht, was wir von diesen Kordeln rausknallen! Millionen von Metern!", ist er immer noch selbst begeistert, wenn er sich die Jahresleistung ihrer Produktion anschaut.

Alles, nur keine Schrumpf-Kordel

Dabei dürfen natürlich keine Fehler passieren: "Wenn bei einer Palette mit 40 Kartons irgendetwas nicht passen tät‘ – Der Steg, wo die Lamelle rein will, ist gekreuzt, weil der Fadenführer nicht stimmt! - tät‘ ich alles zurückkriegen." Darum stehe über allem die Qualität, die sorgfältig geprüft werden müsse. Beispiel? "An einer Kochstation gebe ich zwei Meter einer Kordel wie Nudeln in kochendes Wasser. Danach dürfen sie nicht mehr als 0,5 Prozent geschrumpft sein."

Er ist vor allem stolz auf seine Mitarbeiter, die in dritter Generation aus dem kleinen serbischen Dorf Velika Plana zu ihnen kommen. "Mein Vater hat die ersten Anfang der 60er Jahre noch persönlich vom Südbahnhof abgeholt, als es schon keine Arbeitskräfte gab." Sein Elektroniker – "eine Koryphäe!" – arbeitet seit 46 Jahren im Betrieb. "Und von der Produktionsleiterin arbeiten der Bruder mit seiner Frau, die Schwester und die Nichte hier. Plus zwei Freundinnen!" Teils hat er sie sogar in Wohnungen untergebracht, die im Werkstättenhof an der Seite der Morizgasse liegen, sodass auch Überstunden geleistet werden können.

Er musste sie alle selbst anlernen, weil es für diesen Beruf keine Lehre gibt. "Gott sei Dank bleiben sie alle für lange Zeit!", schwärmt er von ihrer Lernfähigkeit und Treue. Und er selbst? "Müsste ich mir das alles hier noch einmal neu ausdenken – gute Nacht! Ich bin nicht deppert und handwerklich geschickt. Aber das wäre, als müsste ich das Rad erst erfinden!"

Und dann gibt es noch seinen Bruder Friedrich Ehlmaier, den alle "General" nennen: "Der ist hier der Wichtigste überhaupt und sitzt ganz drüben auf der anderen Seite in seinem Büro", wo ihm sein Sohn Moritz nach abgeschlossenem Wirtschaftsstudium zur Hand geht. Der Bruder hat die HTL für Textiltechnik in der Spengergasse absolviert und trägt den Titel Ingenieur. Bei ihm kommt der Lieferdruck an, den er dann an ihn hier in der Produktion weitergibt.

"Da will man natürlich niemanden enttäuschen. Schließlich beliefern wir bis Australien die großen Raffstore-Hersteller mit bis zu 5000 Mitarbeitern." Und die wollen ihre Schachteln mit den Kordeln drin einfach unter ihre Maschinen am Ende der Produktionsstraße stellen. Die fertigen Raffstores hängen dann weltweit an Außenfenstern und trotzen Wind, Regen und Sonne. Und da es immer heißer wird auf der Welt, werden ihre Maschinen hier für lange Zeit nicht mehr stillstehen. (Manfred Rebhandl, 6.6.2026)

Ehlmaier Company in the Werkstättenhof produces blind cords. Vienna | AT · 2019–2026 (Text © Standard © PP · www.ewigesarchiv.at)

How a Viennese family business became a world market leader with blind cords

Since 1844, the Ehlmaier family has been producing specialty textiles in Vienna’s Mariahilf district. Today, their Venetian blind cords are shipped from the Werkstättenhof to customers all over the world.

From: Der Standard, June 6, 2026

„Normally, you don’t get something like this, you just get it!“ says Managing Director Peter Ehlmaier as he greets us in the Werkstättenhof on Mollardgasse and takes us up to his office in the elevator. During the ride, he tells us a bit about his family: „My brother Friedrich was the eldest and had to take over here; he didn’t stand a chance.“ His father was a real patriarch, he laughs. „Such a family patriarch!“ But it probably wasn’t always a laughing matter. „My younger brother got out of the business at the right time and is now in real estate. I myself studied theater studies and psychology.“ And sometimes it feels a bit like a theater here. Because: „Just imagine the elevator! How slow it is! How often we have to go up and down in it to get our products down. And how the trucks have to struggle to get into the yard.“ It was originally designed for horse-drawn carriages, and the elevator had to be installed later. „I don’t know how many wire mesh containers for I don’t know how many trucks we bring down there every day!“ But he doesn’t want to just complain. „It’s really pretty cool here!“ he says, not least because of the many fond memories he has of growing up in the courtyard. The company has been around since 1844; originally, they produced yarn. In 1908, they moved into the newly built Jubilee Workshop Courtyard as a founding member.

„` Even as children, the brothers ran through the halls and „helped out,“ for which they received a few shillings. In the „Leonische Spinnerei“ (Leon’s Spinning Mill), for example, as the sign above one of the doors still reads. What did they do there? „We took cement wire and flattened it into tinsel. We then wrapped it with wool for the gold and silver threads on the chocolate Christmas tree decorations, or silk for the clergy or the military. All the coats of arms, pennants, and flags were once a big hit, but at some point, they only accounted for two percent of sales.“ So, the spinning mill was closed. A Global Success Story with Blind Cords

While „the story with the blind cords“ has developed into a kind of global success, it wasn’t always smooth sailing: „In the 1960s, we started to take an interest in textile components for sun protection. Until three or four years ago, we covered the entire range, even the very small blinds that are hung inside. But we needed 100 colors just for the southern countries!“ he says. That’s why they stopped producing them, „because they’re all made in China these days anyway.“ And they simply couldn’t compete on price.

The „game changer“ for their company was aramid fiber, which, due to its durability, is also used in the production of bulletproof vests, kayaks, and ballistic-protected vehicles. When the Ehlmaier brothers began incorporating them into their loop and ladder cords for external blinds, which are often many meters wide, they received the City of Vienna’s Innovation Award and became one of only two independent producers of such cords worldwide. „Before, the blinds suffered from significant stretching due to environmental factors, causing them to hang crooked or even break.“

Since then, they have been producing continuously, 24 hours a day, seven days a week, „because otherwise it’s simply not possible.“ Before the cords can be packed on pallets and taken down by elevator, the purchased polyester yarn must first be rewound onto small spools in a dedicated department. The fully automated, computer-controlled machines, „which could also be used to produce lace lingerie,“ are purchased in Italy and modified using their own expertise. „You wouldn’t believe how much of this cord we churn out! Millions of meters!“ he says, still amazed when he looks at their annual production output.

‚ … Anything but shrinkable cord

Of course, no mistakes are allowed: „If something were wrong with a pallet of 40 boxes—the tab where the slat is supposed to go is crossed because the thread guide isn’t right!—I’d get everything back.“ That’s why quality is paramount and must be carefully checked. For example? „At a cooking station, I put two meters of cord into boiling water like pasta. Afterward, it mustn’t have shrunk by more than 0.5 percent.“

He is especially proud of his employees.

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Firma Ehlmaier im Werkstättenhof produziert Jalousienkordeln · The Ehlmaier company in the Werkstättenhof produces blind cords

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