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Die versenkte Bibliothek des Arbeiterheims Ebensee · The submerged library of the Ebensee Workers’ Home

Die versenkte Bibliothek des Arbeiterheims Ebensee · The submerged library of the Ebensee Workers’ Home

Das Ewige Archiv in der Hauptbücherei Wien neben Martin Parr, Irving Penn und Lisl Ponger (so war’s, ich schwör’s!) und die im Traunsee versenkte Bibliothek des Arbeiterheims Ebensee und . Ebensee am Traunsee, Wien | AT · 1934–2015 (SW-Foto © NN; © PP · # 3831 · www.ewigesarchiv.at) Die Februarkämpfe im Jahr 1934 fanden außerhalb Wiens in Oberösterreich „nur“ in Linz und in Ebensee statt. Das SW-Foto rechts oben wurde am 16. Februar 1934 aufgenommen, es zeigt festgenommene Ebenseeer Arbeiter, die sich dem Aufstand am 12. Februar 1934 angeschlossen hatten und an der Wand des Turnsaales der Hauptschule Ebensee Aufstellung nehmen mussten, umringt von Soldaten des Bundesheeres mit „aufgepflanzten“ Bajonetten an den Karabinern. Dieses Foto (es gibt ein ähnliches, aus einer anderen Perspektive aufgenommen, das mir bekannt war aus verschiedenen Publikationen) habe ich als Originalabzug im Fotoalbum einer Ebenseeerin „entdeckt“ – diese Abbildung hier ist also kein Bild aus dem Netz, sondern die Reproduktion eines „echten“ Fotos – für einen „Archivar“ macht das einen großen Unterschied. Neben der Hauptschule befindet sich das Arbeiterheim – dessen Räumlichkeiten wurden durchsucht, die Bücher der Bibliothek des Arbeiterheimes später  im Traunsee versenkt.

An der Wand des Turnsaales befand sich auf einer länglichen, roten Tafel folgender Text: „Die Kälte des Februar ’34. Vor 75 Jahren, am 12. Februar 1934, kämpfte die Sozialdemokratische Partei und mit ihr ein Großteil der Arbeiterschaft um die Erhaltung von Demokratie, Freiheit sowie sozialen und politischen Grundrechten in Österreich. Es war dies der erste bewaffnete Widerstand gegen den Faschismus in Europa.

Die Ebenseer (sic) Arbeiter und Arbeiterinnen schlossen sich dem verzweifelten Aufstand an. Nach dessen Niederschlagung durch Bundesheer und Heimwehren, mussten am 16. Februar 1934 26 festgenommene Ebenseer Arbeiter an dieser Wand Aufstellung nehmen. Fanatische Heimwehrmänner forderten ihre Erschießung. Letztendlich wurden gegen die Ebenseer Arbeiter Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr verhängt, während in anderen Teilen Österreichs Standgerichte Todesurteile fällten. 

Die brutale Niederwerfung des Arbeiteraufstandes im Februar 1934 stand am Beginn einer 11jährigen Periode von Faschismus und Nationalsozialismus in Österreich.“

Warum finde ich diesen – an sich natürlich grundsätzlich richtigen – Text etwas euphemistisch, also beschönigend, verschleiernd? Zum Einen: im Jahr 1934 hieß die heute „Sozialdemokratische Partei“ noch „Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAP)“. Während des Austrofaschismus und der NS-Diktatur war sie verboten. Von 1945 bis 1991 lautete der Parteiname Sozialistische Partei Österreichs, erst 1991 wurde er zu „Sozialdemokratische Partei Österreichs“ (SPÖ) geändert. 

Aber wohl nicht haltbar ist die Formulierung: „  . . . am 12. Februar 1934 kämpfte die Sozialdemokratische Partei und mit ihr ein Großteil der Arbeiterschaft . . .“ Wenn sich ein Großteil(!) der Arbeiterschaft dem Februaraufstand des Schutzbundes angeschlossen hätte, wäre er möglicherweise nicht so schnell vom austrofaschistischen Ständestaat unter Dollfuß niedergeschlagen worden.

Das Foto rechts unten zeigt das Projekt „see trau’n“ von Bartholomäus Kinner und Hans-Jürgen Poetz, das für das Festival der Regionen 2015 entwickelt und realisiert wurde: „In der Nacht vom 22. auf 23. September 1934 versenkte die Heimwehr etwa 800 Bücher der Arbeiterbücherei (das Arbeiterheims Ebensee, Anm. PP) im Traunsee. Das Verhältnis von Arbeit, Bildung, Repression und Macht ist der Anlass für die beiden Künstler, die versenkte Bibliothek „wiederauftauchen“ zu lassen.

Zu den Büchern des Ewigen Archivs „Heavy Duty XS“ (2012) und „New Stuff“ (2014), beide erschienen im Ritter Verlag in der Hauptbücherei der Stadt Wien: Mein allererstes Buch zum Ewigen Archiv „Virtual Triviality“ (1994) wurde – vermutlich wegen als obszön empfundener Abbildungen nicht akzeptiert, im Gegensatz zu den beiden später erschienenen. Meine Freude war groß, als ich beide Bücher, katalogisiert, alphabetisch eingeordnet, neben zwischen Büchern der Fotografen Martin Parr und Irving Penn und der Fotografin und Filmemacherin Lisl Ponger entdeckte – alle von mir hochgeschützt. Nach einigen Jahren allerdings musste ich feststellen, dass meine Bücher nicht mehr auffindbar waren – sie wurden zu selten ausgeliehen und entfernt. 

The Ewiges Archiv at the Vienna Main Library alongside Martin Parr, Irving Penn and Lisl Ponger (that’s how it was, I swear!) and the library of the Ebensee Workers’ Home, which was sunk in Lake Traunsee, and . Ebensee on Lake Traunsee, Vienna | AT · 1934–2015 (black-and-white photo © NN; © PP · # 3831 · www.ewigesarchiv.at) The February Uprising of 1934 took place outside Vienna in Upper Austria ‘only’ in Linz and Ebensee. The black-and-white photograph at the top right was taken on 16 February 1934; it shows arrested workers from Ebensee who had joined the uprising on 12 February 1934 and were forced to line up against the wall of the gymnasium at Ebensee Secondary School, surrounded by soldiers of the Austrian Armed Forces with bayonets ‘fixed’ to their carbines. I ‘discovered’ this photograph (there is a similar one, taken from a different angle, which I was familiar with from various publications) as an original print in the photo album of a woman from Ebensee – so this image here is not a picture from the internet, but a reproduction of a ‘genuine’ photograph – for an ‘archivist’, that makes a huge difference. Next to the secondary school stands the workers’ hostel – its premises were searched, and the books from the hostel’s library were later sunk in Lake Traunsee.

On the wall of the gymnasium, the following text was displayed on an oblong red plaque: ‘The cold of February ’34. Seventy-five years ago, on 12 February 1934, the Social Democratic Party, together with a large part of the working class, fought to preserve democracy, freedom and fundamental social and political rights in Austria. This was the first armed resistance against fascism in Europe.

The workers of Ebensee (sic) joined the desperate uprising. After it was crushed by the Austrian Armed Forces and the Heimwehr, 26 arrested workers from Ebensee were forced to line up against this wall on 16 February 1934. Fanatical Heimwehr members demanded that they be shot. Ultimately, the workers from Ebensee were sentenced to prison terms of up to one year, whilst in other parts of Austria, summary courts handed down death sentences.

The brutal suppression of the workers’ uprising in February 1934 marked the beginning of an 11-year period of fascism and National Socialism in Austria.”

Why do I find this text – which is, of course, fundamentally correct – somewhat euphemistic, that is to say, glossing over the facts and obscuring the truth? Firstly: in 1934, the party now known as the ‘Social Democratic Party’ was still called the ‘Social Democratic Workers’ Party of German Austria (SDAP)’. It was banned during the period of Austrofascism and the Nazi dictatorship. From 1945 to 1991, the party’s name was the Socialist Party of Austria; it was not until 1991 that it was changed to the ‘Social Democratic Party of Austria’ (SPÖ).

However, the following statement is surely untenable: ‘ . . . on 12 February 1934, the Social Democratic Party, and with it a large proportion of the working class, fought . . . ” If a large proportion(!) of the working class had joined the Schutzbund’s February Uprising, it might not have been crushed so quickly by the Austrofascist corporative state under Dollfuß.

The photo at the bottom right shows the project “see trau’n” by Bartholomäus Kinner and Hans-Jürgen Poetz, which was developed and realised for the 2015 Festival of the Regions: “On the night of 22–23 September 1934, the Heimwehr sank around 800 books from the workers’ library (at the Ebensee Workers’ Home, note by PP) into Lake Traunsee. The relationship between labour, education, repression and power is what prompted the two artists to bring the sunken library ‘back to the surface’.

Regarding the books from the Eternal Archive, ‘Heavy Duty XS’ (2012) and ‘New Stuff’ (2014), both published by Ritter Verlag and held in the Vienna City Main Library: My very first book on the Eternal Archive, ‘Virtual Triviality’ (1994), was not accepted – presumably because of illustrations deemed obscene – unlike the two published later. I was delighted when I discovered both books, catalogued and arranged alphabetically, sitting alongside works by the photographers Martin Parr and Irving Penn and the photographer and filmmaker Lisl Ponger – all of whom I greatly admire. After a few years, however, I realised that my books could no longer be found – they were rarely borrowed and had been removed.

 

 

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