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Phänomen Dosensammler*innen · The phenomenon of can collectors

Phänomen Dosensammler*innen · The phenomenon of can collectors

Phänomen Dosensammler*innen: Eine Betrachtung in Fortführung des Filmes „Les glaneurs et la glaneuse“ (Die Sammler und die Sammlerin) von Agnès Varda (2000). Und ein Schlenkerer zu Karl Marx und seiner Meinung zum „Lumpenproletariat“. Osaka | JP; Wien | AT · 2025–2026 (© PP · # 3731 · www.ewigesarchiv.at) Vor ein paar Tagen, mit dem Fahrrad unterwegs von meinem Studio in der Mollardgasse im 6. Bezirk zum Foto Arsenal Wien, um mir die Ausstellung von Daido Moriyama anzusehen, fuhr ich an mindestens sechs Dosen- und Plastikflaschen-Sammler*innen vorbei, alle bei Mistkübeln stehend und darin stierlnd (ein großartiger Ausdruck btw.). Das Phänomen – oder sollte ich es besser für mich benennen: Das Mysterium der semiprofessionellen Dosensammler*innen war mir im vergangenen Jahr aufgefallen, als ich eine Frau mit mit Sammelgut vollgepackten Plastiktaschen in heftigem Disput mit einer Mitarbeiterin des nahegelegenen Supermarktes beobachtete. Es ging darum, ob in den Flaschen-/Dosen-Rückgabe-Automat nur Leergebinde eingegeben werden darf von im Geschäft gekauften Flaschen bzw. Dosen. Ich selbst bin ja ein durchaus zwanghaft zu nennender Beobachter und Bilder- und Video-Sammler und zerquetschte RedBull-/Bier-uvm. Dosen-Fotos füllen nicht kleine virtuelle Departments in der Bilddatenbank des Ewigen Archivs. Detto sind die Departments „Randgruppen“ gut bestückt. Ahh, übrigens: Darf ich „Randgruppen“ (was bitte ist denn das?) überhaupt fotografieren? Ist das moralisch/ethisch erlaubt? Brauche ich dafür ein spezielles Permit? Gute Frage. Die Antwort fällt mir leicht – aber klar doch! Ich sehe mich in der Tradition des Journalisten Egon Erwin Kisch („Schreib das auf, Kisch!“), in der von mir verehrten französischen Filmregisseurin Agnès Varda, der Fotografinnen Diane Arbus, Lisette Model, der Fotografen Jacob August Riis, Heinrich Zille uva. Nicht unbedingt in der des Sensationsreporters Weegee. 

Natürlich beschäftigt mich das Phänomen der meiner Einschätzung nach aus Nachbarländern kommenden Sammler*innen sehr. Ja, es irritiert mich, an allen Ecken und Stellen in Mistkübeln und Sammelcontainern wühlende Menschen zu sehen. Dass es „legal“ ist – ohne Zweifel – es ist herren-/frauen loses, „aufgegebenes“ Gut. Ob es „legal“ ist, aus aufgestellten Sammelcontainern Leergut zu entnehmen? Keine Ahnung.

„Les glaneurs et la glaneuse“ (Die Sammler und die Sammlerin) ist ein französischer Dokumentarfilm (2000) von Agnès Varda. „In dem an vielen verschiedenen Orten Frankreichs gedrehten Film wird die Praxis der Nachlese bzw. des Stoppelns überwiegend aus der Sicht der ländlichen Bevölkerung Frankreichs gezeigt. Das Recht der Nachlese (frz. „glaner“ für „auflesen“, „einsammeln“) bezieht sich ursprünglich auf das, was nach der Ernte auf dem Feld liegenbleibt. Der Dokumentarfilm interessiert sich für Sammler/Stoppler, die die frisch abgeernteten Felder nach essbaren Ernterückständen absuchen, aber auch für andere Typen von Sammlern. Diese Glaneurs, wie Agnès Varda sie in Bezug auf die „Glaneuses“ des Gemäldes von Jean-François Millet (1814–1875) aus dem Jahr 1857 nennt, stehen der Bewegung des Freeganismus nahe. Die Filmemacherin zeigt sehr verschiedene Menschen: jung und alt, Bauern, Sozialhilfeempfänger, Angestellte, Rentner, in der Stadt oder auf dem Land, die auf den Feldern nach der Ernte Zurückgebliebenes auflesen oder sich übriggebliebenes Obst aus den Bäumen pflücken; Gemüse, Obst oder Feldfrüchte, teils unförmig oder mit zu großen Maßen für die kommerzielle Verwertbarkeit, die von den Unternehmen zurückgelassen werden, weggeworfene essbare Lebensmittel, gesammelt aus den abgestellten Behältern von Supermärkten, Bäckereien oder nach dem Ende von Märkten.“

Ein Zitat von Agnès Varda aus einem Interview zu ihrem Film ist für mich eine Art „Generalmotto“ für meine Arbeit am Ewigen Archiv geworden:

„Man muss den Dingen eine Form, eine Ordnung geben können, um sie besser zu verstehen, und das ist es auch, was man tut, wenn man einen Film macht oder anders künstlerisch tätig ist: Man versucht, zumindest temporär, eine Ordnung einzuführen und ein oder zwei Fragen auf diese Weise zu klären – weil man das chaotische Ganze ohnehin nicht erfassen kann. Ich glaube, das ist eine Art, um die Unordnung, in der wir leben oder als die wir die Welt empfinden, auszuhalten.“

Agnès Varda  (Der Standard, 8. 10. 2001)

Das Foto links oben zeigt einen Dosensammler in Osaka, aufgenommen im Mai 2025.

The phenomenon of can collectors: A consideration in continuation of the film „Les glaneurs et la glaneuse“ (The Collectors and the Collector) by Agnès Varda (2000). And a detour to Karl Marx and his opinion on the „lumpenproletariat“. Osaka | JP; Vienna | AT · 2025–2026 (© PP · # 3731 · www.ewigesarchiv.at) A few days ago, cycling from my studio in Mollardgasse in the 6th district to the Foto Arsenal Vienna to see the Daido Moriyama exhibition, I passed at least six can and plastic bottle collectors, all standing by trash cans and staring into them (a great expression, by the way). The phenomenon—or perhaps I should call it the mystery of semi-professional can collectors—first struck me last year when I observed a woman with plastic bags overflowing with her collection, locked in a heated argument with an employee of the nearby supermarket. The argument was whether only empty containers—those purchased in the store—could be deposited into the bottle/can return machine. I myself am a rather obsessive observer and collector of photos and videos, and I’ve squashed Red Bull, beer, and much more. Photos of cans fill not only small virtual departments in the image database of the Eternal Archive, but the „marginalized groups“ department is also well-stocked. Ah, by the way: Am I even allowed to photograph „marginalized groups“ (what on earth are they?)? Is it morally/ethically permissible? Do I need a special permit? Good question. The answer is easy for me—absolutely! I see myself in the tradition of the journalist Egon Erwin Kisch (“Write that down, Kisch!”), in the French film director Agnès Varda, whom I admire, and in the work of photographers Diane Arbus, Lisette Model, Jacob August Riis, Heinrich Zille, and others. Not necessarily in that of the sensationalist reporter Weegee.

Of course, the phenomenon of these collectors, who I suspect come from neighboring countries, greatly concerns me. Yes, it irritates me to see people rummaging through trash cans and recycling containers everywhere. That it’s “legal”—without a doubt—it’s ownerless, “abandoned” property. Is it “legal” to take empty bottles and cans from designated recycling containers? I have no idea.

“Les glaneurs et la glaneuse” (The Collectors and the Collector) is a French documentary film (2000) by Agnès Varda. „Filmed in many different locations across France, the practice of gleaning is shown primarily from the perspective of the rural population. The right to glean (French „glaner,“ meaning „to pick up“ or „to gather“) originally refers to what remains in the fields after the harvest. The documentary focuses on gleaners/scroppers who search the freshly harvested fields for edible crop residues, but also on other types of gatherers. These glaneurs, as Agnès Varda calls them, in reference to the „Glaneuses“ in Jean-François Millet’s (1814–1875) 1857 painting, are closely associated with the freegan movement. The filmmaker shows a diverse range of people: young and old, farmers, welfare recipients, office workers, pensioners, in the city or in the countryside, gleaning what has been left behind in the fields after the harvest or picking leftover fruit from the trees.“ Vegetables, fruits, or field crops, some misshapen or too large for commercial use, left behind by businesses; discarded edible food, collected from the abandoned bins of supermarkets, bakeries, or after markets have closed.

A quote from Agnès Varda in an interview about her film has become a kind of „general motto“ for my work on the Eternal Archive:

„You have to be able to give things a form, an order, in order to understand them better, and that’s what you do when you make a film or are otherwise artistically active: you try, at least temporarily, to introduce an order and clarify one or two questions in this way—because you can’t grasp the chaotic whole anyway. I think it’s a way of enduring the disorder in which we live, or as we perceive the world to be.“

Agnès Varda (Der Standard, October 8, 2001)

The photo in the upper left shows a can collector in Osaka, taken in May 2025.

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Phänomen Dosensammler*innen · The phenomenon of can collectors

Phänomen Dosensammler*innen · The phenomenon of can collectors

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