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„Favorit“ – Massageapparat meiner Großeltern · “Favorite” – my grandparents’ massager

„Favorit“ – Massageapparat meiner Großeltern · “Favorite” – my grandparents’ massager

Fällt mir wirklich nichts Besseres ein, als ein Tableau mit „Favorit“ zusammenzustellen, dem Massageapparat meiner Großeltern, während im Iran Proteste und Aufstände stattfinden, blutig niedergeschlagen werden, Tausende sterben – und das Regime die Kommunikation durch Blockierung des Internets verhindert? Ebensee, Wien | AT · 2008–2026 (© PP · # 3711 · www.ewigesarchiv.at) Ich habe keinerlei direkte Kontakte in den Iran, kenne nur wenige Iraner*innen persönlich – wie meist bei Kriegen, Krisen, Katastrophen bekomme ich nur über mediale Fragmente mehr oder weniger „realistische“ Informationen. Wie hätten meine Großeltern reagiert auf gegenwärtige Meldungen? In meinem Video „Erna und Gerti erzählen . . .“ erzählt meine Mutter Erna ihre Erinnerungen an den März 1938, als Adolf Hitler und die deutsche Wehrmacht „in Österreich einmarschierte“, als Österreich ans Deutsche Reich angeschlossen wurde – was vom wohl überwiegenden Teil der Bevölkerung begrüßt wurde, während umgehend Zehntausende verhaftet wurden. Sehr bewegt erzählt sie davon, dass die Familie im Wohnzimmer im Radio die Ansprache des damaligen Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg gehört hatte, die mit den Worten schloss „Gott schütze Österreich“. Sie sagte: „Und dann hat der Vater fürchterlich geweint“ und kann dann einige Momente selber nicht mehr weiterreden. (Siehe link – das Video beginnt mit dieser Stelle). Zur Vorgeschichte dieses Ereignisses gäbe es natürlich viel zu schreiben – Schuschnigg, war ja Bundeskanzler des „Ständestaates“, die demokratischen Institutionen längst abgeschafft, die Sozialdemokraten und Kommunisten verboten, entmachtet – aber was mich beschäftigt: Die einzige „direkte“ Information, die meine Großeltern, meine Mutter Erna und ihr Bruder Walter damals bekommen konnten, war über das Radio und – um Tage verspätet – über regimetreue Zeitungen. Kein Internet, kein Facebook, kein Fernsehen.

Wie gehe ich mit „der Welt“ um – wie geht „die Welt“ mit mir um? Was bringt es, wenn ich „informiert“ bin? Ist es auch nur am Rande von Bedeutung, wenn ich Informationen „poste“, Informationen, die vielfach durch Kanäle gefärbt, geändert wurden?

Was folgt aus diesen Informationen für mich – wie handle ich, was mache ich damit?

Ist es überhaupt sinnvoll, etwas zu archivieren, etwas aufzuheben? „Archive – das Wort ist eigenartig. Sie sind etwas ganz Elementares. Es ist die Aufbewahrung, eigentlich der Respekt vor den Dingen“ sagte der Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge vor einigen Monaten in einem Gespräch, das ich für mein Video „Das Ewige Archiv · ordnen und geordnet werden“ mit ihm führen durfte.

Den Massageapparat meiner Großeltern habe ich aufbewahrt, er ist eines dieser Dinge, die mir viel bedeuten, die einen ganzen Berg an Erinnerungen und Gefühlen in mir auslösen. Mit diesem Apparat habe ich als Kind in der Wohnküche meiner Großeltern, Aloisia und Johann Promberger in den 1960-er Jahren in Ebensee gespielt. Immer und immer wieder. Ein Surren, ein Vibrieren beim Einschalten. Die Massageköpfe gewechselt und die unterschiedliche Wirkung auf meiner Hand ausprobiert.

Auf dem kleinen Karton steht handschriftlich der Nachnahmebetrag, der zu entrichten war: zweihundertelf S(chilling). (etwa 15 €). Bei Unzustellbarkeit Rückmeldung, wobei der Wortteil „meldung“ durchgestrichen ist und durch „sendung“ ersetzt worden war. Absenderstempel: Dr. Walter Muhr, Vertrieb elektrotechnischer Neuheiten. Wien XV, Wurmsergasse 46, Telefon 92 43 86.

Die beigelegte „Massageliste von Dr. med. Otto Panzer (zweiseitig) enthält genaue Angaben zur Verwendung und Massagedauer der unterschiedlichen Massageköpfe.

zB. Gelenkrheuma, Polyarthritis: Massagekopf Nr. 40/35/25, Ansatzstelle des Massagekopfes: Schmerzstellen und Umgebung. Sind mehrere Gelenke erkrankt, Einzelmassierung an verschiedenen Tagen.  Tägl. Massagedauer in Minuten: (str. = streichend kr. = kreisend o. B. = ohne Bewegung)  2 bis 3 mal 8 bis 12 Min. o. B kr. str.

Im Jahr 2008 habe ich versucht, mich „Favorit“, dem Massageapparat, zeichnend anzunähern (Gr. Foto oben):

„Meine Favoriten sprechen leider nicht mitsammen“, 2008, 60 x 90 cm, Ölpastell-Kreiden auf grauem Hadernpapier – das aus Gendarmerie-Uniformen gemacht wurde. 

„Erna und Gerti erzählen . . .“ 

Vom „Umschwung“ 1938, von der „Hitler-Zeit“ und vom KZ in Ebensee. 22 min., 2017. Gespräche mit Erna Putz und Gerti Parzer im Jahr 2015. Interviews, Kamera und Regie: Peter Putz, Schnitt und digitale Produktion: Monica Parii/On Screen, Musik: Hans Kienesberger, Fotos: Hans Kienesberger, Peter Putz/Das Ewige Archiv, Zeitgeschichte Museum Ebensee. Produktion: Das Ewige Archiv. © Peter Putz · www.ewigesarchiv.at · 2018

Can I really think of nothing better to do than to create a tableau featuring „Favorit,“ my grandparents‘ massager, while protests and uprisings are taking place in Iran, being brutally suppressed, thousands dying – and the regime is preventing communication by blocking the internet? Ebensee, Vienna | AT · 2008–2026 (© PP · # 3711 · www.ewigesarchiv.at) I have no direct contacts in Iran, know only a few Iranians personally – as is usually the case with wars, crises, and disasters, I only get more or less „realistic“ information through media fragments. How would my grandparents have reacted to current news? In my video „Erna and Gerti tell their story…“, my mother Erna recounts her memories of March 1938, when Adolf Hitler and the German Wehrmacht „invasionate Austria,“ when Austria is annexed to the German Reich – which was welcomed by the vast majority of the population, while tens of thousands were immediately arrested. She recounts, deeply moved, how the family in the living room had heard the speech by then-Chancellor Kurt Schuschnigg on the radio, which concluded with the words „God protect Austria.“ She said, „And then my father wept terribly,“ and for a few moments she herself was unable to continue speaking. (See link – the video begins at this point). There is, of course, much to write about the background to this event – ​​Schuschnigg was, after all, Chancellor of the „Corporate State,“ democratic institutions long since abolished, Social Democrats and Communists banned and stripped of power – but what concerns me is this: The only „direct“ information my grandparents, my mother Erna, and her brother Walter could get at that time was via the radio and – days later – through newspapers loyal to the regime. No internet, no Facebook, no television.

How do I deal with „the world“ – how does „the world“ deal with me? What good does it do me to be „informed“? Is it even remotely significant if I „post“ information, information that has been colored and altered multiple times through various channels?

What are the implications of this information for me—how do I act on it, what do I do with it?

Is it even worthwhile to archive anything, to keep something? „Archives—the word is peculiar. They are something quite fundamental. It’s about preservation, actually about respecting things,“ said the writer and filmmaker Alexander Kluge a few months ago in a conversation I had the privilege of conducting with him for my video „The Eternal Archive: Ordering and Being Ordered.“

I’ve kept my grandparents‘ massage device; it’s one of those things that means a lot to me, that triggers a whole mountain of memories and feelings within me. As a child, I played with this device in my grandparents‘ kitchen in Ebensee in the 1960s. Aloisia and Johann Promberger. Over and over again. A whirring, a vibration when it was switched on. Changing the massage heads and trying out the different effects on my hand.

The small cardboard box bore handwritten writing the cash-on-delivery amount due: two hundred and eleven schillings (approximately €15). In case of non-delivery, a response was requested, with the word „report“ crossed out and replaced by „shipment.“ Sender’s stamp: Dr. Walter Muhr, distributor of electrotechnical innovations. Vienna XV, Wurmsergasse 46, Telephone 92 43 86.

The enclosed „Massage List by Dr. Otto Panzer“ (two-page spread) contains precise instructions for the use and duration of massage with the different massage heads.

For example, rheumatoid arthritis, polyarthritis: massage head no. 40/35/25, point of application of the massage head: painful areas and surrounding tissue. If several joints are affected, individual massages should be performed on different days. Daily massage duration in minutes: (str. = stroking, kr. = circular, o. B. = without movement) 2 to 3 times 8 to 12 min. o. B. kr. str.

In 2008, I attempted to approach „Favorite,“ the massage device, through drawing (see large photo above):

„My Favorites Unfortunately Don’t Talk Together,“ 2008, 60 x 90 cm, oil pastels on gray rag paper – that from Gendarmerie uniforms were made.

„Erna and Gerti tell their story…“

About the „turning point“ of 1938, the „Hitler era,“ and the concentration camp in Ebensee. 22 min., 2017. Conversations with Erna Putz and Gerti Parzer in 2015. Interviews, camera, and direction: Peter Putz; editing and digital production: Monica Parii/On Screen; music: Hans Kienesberger; photos: Hans Kienesberger, Peter Putz/The Eternal Archive, Contemporary History Museum Ebensee. Production: The Eternal Archive. © Peter Putz · www.ewigesarchiv.at · 2018

 

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